Zu Inhalt springen

    ← Zurück zum Blog

    Webdesign · 6 Min. Lesezeit

    One-Pager oder mehrseitige Website: was passt zu Ihrem Angebot?

    Bei fast jedem Erstgespräch kommt die Frage: „Reicht nicht eine Seite?“ Die ehrliche Antwort ist: manchmal ja, und dann ist der One-Pager sogar die bessere Wahl. Oft aber nein, und der Grund dafür hat weniger mit Design zu tun als mit Google. Die Entscheidung lässt sich zum Glück an einer einzigen Frage festmachen: Wie viele verschiedene Dinge suchen Ihre Kunden, bevor sie bei Ihnen landen sollen?

    Was ein One-Pager gut kann

    Ein One-Pager ist eine einzige, lange Seite: Angebot, Ablauf, Referenzen, Preise, Kontakt, alles untereinander. Für ein klar umrissenes Angebot an eine klar umrissene Zielgruppe funktioniert das ausgezeichnet. Ein Fotograf für Businessporträts, ein einzelnes Seminar, eine Ferienwohnung: Der Besucher scrollt einmal durch und hat die ganze Geschichte.

    Dazu kommen praktische Vorteile. Ein One-Pager ist schneller konzipiert und gebaut, also günstiger. Er zwingt zur Reduktion, was den Texten meist guttut. Und er ist leicht zu pflegen, weil es nur eine Seite gibt, die veralten kann. Wer schon einmal eine Website mit fünfzehn halb vergessenen Unterseiten geerbt hat, weiß, was das wert ist.

    Die Grenze: eine Seite kann bei Google nur ein Thema besetzen

    Google ordnet Suchanfragen einzelnen Seiten zu, nicht ganzen Websites. Eine Seite rankt realistisch für ein Thema samt eng verwandten Begriffen. Ein One-Pager ist eine Seite. Er kann also für „Businessfotograf Wien“ gefunden werden, aber kaum gleichzeitig für „Hochzeitsfotograf Wien“, „Bewerbungsfotos“ und „Eventfotografie“, selbst wenn alle vier Leistungen darauf erwähnt werden.

    Genau hier verlieren viele Betriebe unbemerkt Anfragen. Die Leistung steht ja auf der Website, nur eben als Absatz drei in einer langen Seite, und für die passende Suchanfrage erscheint stattdessen der Mitbewerber, der dem Thema eine eigene Seite gewidmet hat. Wie viel dabei auf dem Spiel steht, zeigt eine Sistrix-Auswertung von 80 Millionen Keywords (2020): Das erste organische Ergebnis bekommt im Schnitt 28,5 Prozent der Klicks, Position 10 nur noch 2,5 Prozent. Wer Kunden über Google-Suchen gewinnen will, braucht pro Leistung, die gesucht wird, eine eigene Seite, und zwar eine, die weit vorne steht.

    Durchschnittliche Klickrate nach Google-Position
    Position 128,5 %
    Position 215,7 %
    Position 311,0 %
    Position 102,5 %

    Quelle: Sistrix, 2020

    Was eine mehrseitige Website kostet, außer Geld

    Die mehrseitige Website ist kein Gratis-Upgrade. Jede Unterseite braucht eigene, substanzielle Inhalte. Fünf Leistungsseiten, die jeweils aus zwei umformulierten Sätzen und demselben Kontaktformular bestehen, helfen weder Besuchern noch dem Ranking. Dünne Seiten sind schlechter als keine.

    Dazu kommt der Pflegeaufwand: mehr Seiten bedeuten mehr Stellen, an denen Preise, Fotos und Angebote veralten können. Und die Navigation will durchdacht sein, damit Besucher nicht in einer Menüstruktur mit acht Punkten und drei Ebenen verloren gehen. Mehrseitig lohnt sich dann, wenn Sie für jede Seite wirklich etwas zu sagen haben.

    Die Testfrage: Wonach suchen Ihre Kunden?

    Schreiben Sie auf, mit welchen Suchanfragen Kunden Sie finden sollen. Nicht Ihre Leistungen aus Ihrer Sicht, sondern die Worte der Kunden. Eine Tischlerei kommt vielleicht auf: „Einbauschrank nach Maß Wien“, „Küche vom Tischler“, „Möbel restaurieren lassen“. Das sind drei verschiedene Suchintentionen, also drei Seiten.

    Kommt Ihre Liste auf eine oder zwei Suchintentionen, ist der One-Pager eine gute Wahl. Ab drei spricht viel für die mehrseitige Website. Und wenn Ihre Kunden gar nicht über Google kommen, sondern über Empfehlungen, Instagram oder einen Marktplatz, verliert das SEO-Argument an Gewicht, und der One-Pager als schnelle Visitenkarte gewinnt wieder.

    • Ein Angebot, eine Zielgruppe, Kunden kommen über Empfehlung → One-Pager.
    • Mehrere Leistungen, die einzeln gesucht werden → eine Seite pro Leistung.
    • Mehrere Standorte oder Zielgruppen mit verschiedenen Fragen → mehrseitig, fast immer.
    • Unsicher, ob das Geschäftsmodell so bleibt → klein starten, erweiterbar bauen.

    Der Mittelweg: klein starten, erweiterbar bauen

    Die Entscheidung ist zum Glück keine für die Ewigkeit. Ein sauber gebauter One-Pager lässt sich später zu einer mehrseitigen Website ausbauen, wenn Struktur und Technik das von Anfang an vorsehen: eine Navigation, die wachsen kann, und Abschnitte, die sich zu eigenen Seiten auswachsen dürfen.

    In der Praxis empfehlen wir das oft neu gegründeten Betrieben: zum Start ein fokussierter One-Pager mit den besten Inhalten, und sobald klar ist, welche Leistungen tatsächlich nachgefragt werden, bekommen genau diese ihre eigenen Seiten. So fließt das Budget in Seiten, die sich bezahlt machen, statt in eine Struktur auf Verdacht.

    Und was heißt das beim Preis?

    Grob gesagt: Ein One-Pager ist das untere Ende dessen, was eine individuell gestaltete Website kostet, eine mehrseitige Firmenwebsite liegt darüber, wobei der Aufpreis vor allem in Konzept und Inhalten steckt, nicht in der Technik. Nach einem Erstgespräch nennen wir für beide Varianten einen Festpreis, dann lässt sich nüchtern vergleichen, ob die zusätzlichen Seiten ihre zusätzlichen Kosten wert sind. Manchmal lautet unsere Empfehlung ausdrücklich: Nehmen Sie die kleinere Variante.