Zu Inhalt springen

    Zurück zum Blog

    Custom Software · 7 Min. Lesezeit

    Insellösungen verbinden: Schnittstellen statt Doppeleingabe

    Niemand plant Insellösungen. Sie entstehen, weil jede Anschaffung für sich vernünftig war: 2018 die Buchhaltungssoftware, 2021 der Webshop, 2023 das CRM, weil der Vertrieb eines brauchte. Jedes Werkzeug ist gut in seinem Job. Nur kennt jetzt jedes System denselben Kunden in einer eigenen Version, mit eigener Adresse und eigenem Stand, und irgendwer im Betrieb gleicht das am Monatsende von Hand ab. Der übliche Reflex ist dann der Ruf nach dem einen großen System, das alles kann. Es gibt einen deutlich kleineren Eingriff: die vorhandenen Systeme verbinden.

    Was Doppeleingabe wirklich kostet

    Der sichtbare Teil ist die Tipparbeit. Ein Betrieb, in dem Bestellungen aus dem Shop von Hand ins Warenwirtschaftssystem übertragen werden, verliert pro Bestellung ein paar Minuten. Bei zwanzig Bestellungen am Tag ist das schon eine spürbare Stelle im Wochenplan, und sie wächst mit jedem Umsatzplus.

    Der teurere Teil ist unsichtbar: Die Systeme widersprechen einander. Die Lieferadresse wurde im Shop geändert, aber nicht im ERP, und das Paket geht an die alte Adresse. Der Vertrieb ruft einen Kunden an, dessen Reklamation er nicht kennt, weil sie nur in der Buchhaltung sichtbar ist. Solche Fälle tauchen in keiner Kostenrechnung auf, aber jeder einzelne kostet Vertrauen, innen wie außen.

    Und der Datenbestand als Ganzes verliert an Wert. Laut einer Bitkom-Befragung unter deutschen Unternehmen (2024) glauben nur 6 Prozent, das Potenzial ihrer Daten vollständig auszuschöpfen; 42 Prozent nutzen es eher wenig, 18 Prozent überhaupt nicht. Wer denselben Kunden in drei Systemen in drei Versionen hält, braucht sich über diese Quote nicht zu wundern: Solche Daten lassen sich weder verlässlich auswerten noch automatisiert weiterverarbeiten.

    Der Zwischenzustand: Der Mensch als Schnittstelle

    In den meisten Betrieben gibt es die Verbindung zwischen den Inseln längst, sie heißt nur Frau Berger oder Herr Novak. Eine Person weiß, dass Neukunden aus dem Shop auch ins CRM gehören, dass die Artikelnummern im Webshop ein anderes Format haben als im ERP, und dass man den Export am besten dienstags macht, weil montags die Preisliste aktualisiert wird.

    Dieses Wissen ist wertvoll, und genau deshalb gehört es aus dem Kopf in eine Schnittstelle. Nicht weil die Person schlecht arbeitet, sondern weil sie Urlaub hat, krank wird oder irgendwann kündigt, und weil kein Mensch um drei Uhr früh eine Bestellung überträgt. Die gute Nachricht: Wer eine Integration baut, muss dieses Wissen nur abschreiben, nicht neu erfinden. Das Gespräch mit dieser Person ist der wichtigste Teil jedes Integrationsprojekts.

    Vier Muster, Systeme zu verbinden

    Technisch läuft fast jede Integration auf eines von vier Mustern hinaus, oft auf eine Kombination. Welches passt, hängt von den Systemen und der Datenmenge ab, nicht vom Geschmack des Entwicklers.

    • Beidseitiger Abgleich: Änderungen auf einer Seite landen auf der anderen. Konflikte werden nach festen Regeln aufgelöst, nicht nach Zufall. Typisch für ERP und CRM.
    • Ereignis-gesteuert: Eine Bestellung oder eine Statusänderung stößt sofort die nächsten Schritte an. Typisch für Shop und Warenwirtschaft.
    • Geplante Läufe: Für große Datenmengen nächtliche Abgleiche, mit einem Bericht, was übertragen wurde und was nicht.
    • Brücke ohne API: Auch Systeme ohne Schnittstelle lassen sich anbinden, über Dateien, E-Mail-Postfächer oder Datenbankzugriff. Nicht elegant, aber oft die einzige Option bei älterer Software.

    Die wichtigste Entscheidung: Welches System führt?

    Bevor Daten fließen, braucht jede Information einen Besitzer. Wenn die Kundenadresse im CRM und im ERP unterschiedlich ist, welche gilt? Diese Frage klingt banal und ist der Punkt, an dem Integrationsprojekte in der Praxis am längsten hängen, weil die Antwort eine organisatorische ist: Ein System wird zum führenden System für diesen Datentyp erklärt, die anderen folgen.

    Unsere Empfehlung ist, das pro Datenart zu entscheiden, nicht pauschal. Kundenstammdaten führt oft das ERP, Kontakthistorie das CRM, Bestellungen der Shop. Wer versucht, alle Konflikte automatisch in beide Richtungen zu lösen, baut sich ein System, das niemand mehr durchschaut.

    Was eine Integration kostet

    Eine einzelne Verbindung zwischen zwei Systemen mit brauchbaren Schnittstellen, etwa Shop und Warenwirtschaft, liegt in der Entwicklung meist zwischen 4.000 und 12.000 Euro. Teurer wird es, wenn ein System keine API hat und über eine Brücke angebunden werden muss, oder wenn Datenbestände erst bereinigt werden müssen, weil zehn Jahre Doppeleingabe ihre Spuren hinterlassen haben. Die Bereinigung wird gern unterschätzt: Wenn derselbe Kunde dreimal existiert, muss vor der ersten Synchronisation jemand entscheiden, welcher Datensatz überlebt.

    Und was der Betrieb kostet

    Eine Schnittstelle zu bauen ist der kleinere Teil der Arbeit. Dass sie jahrelang unauffällig läuft, der größere. APIs ändern sich, Systeme bekommen Updates, und irgendwann ist ein System eine Nacht lang nicht erreichbar. Eine ordentliche Integration puffert dann, statt Daten zu verlieren, und holt alles nach. Rechnen Sie für Betrieb und Pflege mit einem laufenden Posten, nicht mit null.

    Woran Integrationen scheitern

    Selten an der Technik. Häufiger daran, dass die Sonderfälle erst im Betrieb auftauchen: der Kunde mit zwei Lieferadressen, die Bestellung mit nachträglicher Änderung, das Sonderzeichen im Firmennamen, das ein System verschluckt. Deshalb gehört zu jeder Integration ein Protokoll, in dem nachvollziehbar ist, was wann übertragen wurde, und eine Benachrichtigung, wenn etwas hängen bleibt. Eine Schnittstelle, die still scheitert, ist gefährlicher als gar keine, weil sich alle auf sie verlassen.

    Und ein letzter ehrlicher Hinweis: Wenn ohnehin feststeht, dass eines der beteiligten Systeme in einem Jahr ersetzt wird, verbinden Sie es nicht mehr. Dann ist die Doppeleingabe für ein Jahr die billigere Lösung.