Shopify · 6 Min. Lesezeit
Shopify-Apps: was ein Shop wirklich braucht – und was nur kostet
Wenn wir einen bestehenden Shopify-Shop übernehmen, schauen wir als Erstes in die App-Liste. Das Bild ist fast immer dasselbe: fünfzehn bis zwanzig installierte Apps, jede mit eigener Monatsgebühr, die Hälfte davon seit Monaten nicht geöffnet. Zwei überlappen sich in der Funktion, eine bremst messbar die Ladezeit, und eine wurde deinstalliert, hat aber Code im Theme hinterlassen, der weiter mitlädt. Der App Store – Shopify zählt dort nach eigenen Angaben über 16.000 Apps – ist eine echte Stärke der Plattform. Er ist auch der Ort, an dem Shops schleichend Geld und Geschwindigkeit verlieren.
Was Apps wirklich kosten: Gebühr, Ladezeit, Abhängigkeit
Die Monatsgebühr ist der sichtbarste Preis, oft nicht der größte. Viele Apps laden eigene Skripte in den Shop – jedes davon verlängert die Ladezeit auf dem Handy, und langsame Shops verkaufen schlechter. Wie viel schlechter, hat die von Google beauftragte Deloitte-Studie „Milliseconds Make Millions“ (2020) gemessen: Schon 0,1 Sekunden weniger mobile Ladezeit hoben die Conversion-Rate von Handelsseiten um 8,4 Prozent und den durchschnittlichen Bestellwert um 9,2 Prozent. Dazu kommt der Datenzugriff: Eine App, die Bestellungen lesen darf, liest Ihre Bestellungen. Bei einem Anbieter, den Sie nicht kennen, ist das eine Vertrauensfrage, die man bewusst beantworten sollte.
Der dritte Kostenpunkt zeigt sich erst beim Abschied: Manche Apps schreiben Code direkt ins Theme, und der bleibt nach der Deinstallation liegen. Wir finden in fast jedem übernommenen Shop Reste von zwei, drei längst gelöschten Apps, die weiter laden. Wer eine App entfernt, sollte danach im Theme nachsehen oder nachsehen lassen.
Erst prüfen: Kann Shopify das inzwischen selbst?
Shopify baut den eigenen Funktionsumfang laufend aus, und viele App-Klassiker sind dadurch überflüssig geworden. Rabatt-Logik, Bundles und Mengenaktionen decken die eingebauten Rabatte und Funktionen inzwischen weit besser ab als früher. Einfache E-Mail-Kampagnen kann Shopify Email. Grundlegende Produktbewertungen, Metafelder für Zusatzinformationen, Geschenkgutscheine: alles an Bord.
Die Prüfreihenfolge lohnt sich bei jedem Wunsch: erst die Shopify-Bordmittel, dann das Theme (viele gute Themes haben Countdown, Badges und Ähnliches eingebaut), erst dann der App Store. Jede vermiedene App ist eine Gebühr, ein Skript und eine Abhängigkeit weniger.
Diese Kategorien verdienen ihren Platz
Ein Kernbestand an Apps ist gut investiertes Geld, weil er Umsatz bringt oder Pflichten erfüllt. Für einen Shop im DACH-Raum sind das typischerweise:
- Rechtliches: Cookie-Consent-Management und korrekte Rechnungen nach österreichischem bzw. deutschem Recht – das ist keine Kür, sondern Pflicht
- E-Mail-Marketing mit Automationen: Warenkorbabbrecher und Willkommensserien gehören zu den wenigen Apps, deren Wirkung sich direkt im Umsatz ablesen lässt
- Bewertungen: echte Kundenstimmen am Produkt erhöhen das Vertrauen, besonders bei unbekannten Marken
- Versand: Anbindung an Post, DPD, GLS und Co. mit Labeldruck spart bei jedem Paket Handgriffe
- Suche und Filter: ab ein paar hundert Produkten wird die eingebaute Suche zum Engpass
Die üblichen Verdächtigen auf der Streichliste
Genauso klar gibt es Kategorien, die wir fast immer streichen. Countdown-Timer und künstliche Verknappung („nur noch 2 Stück!“, obwohl das Lager voll ist) wirken bei einem seriösen Markenauftritt eher billig als verkaufsfördernd. Pop-up-Kaskaden, die Besucher in den ersten Sekunden mit Newsletter, Rabatt und Cookie-Banner gleichzeitig bewerfen, kosten mehr Kaufabschlüsse, als sie bringen. Und Doppelbesetzungen – zwei Bewertungs-Apps, zwei SEO-Apps – sind schlicht doppelte Gebühr für einfache Funktion.
Vorsicht auch bei Apps, die versprechen, „SEO automatisch zu optimieren“. Titel und Beschreibungen ändern kann Shopify selbst; was diese Apps darüber hinaus tun, ist oft kosmetisch, gelegentlich sogar schädlich, wenn sie massenhaft generierte Texte einspielen.
Wann eine eigene App die bessere Rechnung ist
Manchmal ist der Bedarf real, aber keine Store-App passt: eine Preislogik, die es nur in Ihrer Branche gibt, ein Konfigurator für Ihre Produkte, eine Brücke zu einem internen System. Der übliche Reflex ist, drei Standard-Apps zu kombinieren und die Lücken mit Handarbeit zu füllen. Das funktioniert, kostet aber dauerhaft drei Gebühren plus die Handarbeit.
Die Alternative ist eine private App: einmal entwickelt, läuft nur in Ihrem Shop, macht exakt das Gewünschte, keine Monatsgebühr an Dritte. Bei einer einzelnen kleinen Funktion lohnt sich das selten. Sobald aber mehrere Apps kombiniert und um Workarounds ergänzt werden müssen, dreht sich die Rechnung oft innerhalb von ein bis zwei Jahren – und der Shop wird nebenbei schneller, weil Fremdskripte wegfallen.
Der App-Audit in einer Stunde
Sie können den ersten Schritt selbst machen. Gehen Sie die installierte Liste durch und stellen Sie pro App drei Fragen: Wann habe ich sie zuletzt geöffnet? Was passiert konkret, wenn sie morgen weg ist? Und weiß ich, was sie im Monat kostet? Apps ohne gute Antwort fliegen testweise raus – deinstallieren lässt sich fast alles gefahrlos, wieder installieren auch.
Danach lohnt der Blick auf die Ladezeit, etwa mit PageSpeed Insights, vorher und nachher gemessen. Der Unterschied nach dem Aufräumen überrascht viele Händler. Wenn Sie dabei Reste gelöschter Apps im Theme-Code vermuten oder unsicher sind, welche App welche Funktion trägt: Genau solche Aufräumarbeiten machen wir regelmäßig.