Zu Inhalt springen

    ← Zurück zum Blog

    Shopify · 7 Min. Lesezeit

    B2B mit Shopify: Großhandel im selben Shop abbilden

    Viele Händler kommen an denselben Punkt: Der Shopify-Shop läuft für Endkunden, und dann fragt der erste Wiederverkäufer nach Großhandelskonditionen. Die ersten Bestellungen laufen per E-Mail und Excel – der Vertrieb tippt sie händisch als Draft Order ein, die Sonderpreise stehen in einer Tabelle, die nur eine Person pflegt. Spätestens beim fünften Händlerkunden stellt sich die Frage: Kann der bestehende Shop das nicht selbst? Die Antwort ist ja – aber auf welchem Weg, hängt stark von Ihrem Shopify-Plan und Ihren Preisregeln ab.

    Warum B2B mehr ist als ein Rabattcode

    Der naheliegendste Workaround – ein Dauer-Rabattcode für Händler – scheitert schnell an der Realität des Großhandels. Firmenkunden erwarten eigene Preislisten statt eines pauschalen Prozentsatzes, Staffelpreise ab bestimmten Mengen, Mindestbestellmengen und oft Zahlung auf Rechnung mit Zahlungsziel statt Kreditkarte. Dazu kommt, dass bei einer GmbH häufig mehrere Personen für dasselbe Firmenkonto bestellen und der Einkaufsleiter sehen will, was seine Leute geordert haben.

    Und dann ist da die Umsatzsteuer: Endkunden sehen Bruttopreise, Geschäftskunden rechnen netto. Eine B2B-Lösung, die diesen Unterschied nicht sauber abbildet, produziert falsche Rechnungen – und das merkt nicht der Kunde zuerst, sondern der Steuerberater.

    Der Aufwand lohnt sich für mehr Händler, als man denkt: Laut Eurostat (2024) erzielen EU-Unternehmen 4,3 Prozent ihres Gesamtumsatzes über Webverkäufe an andere Unternehmen und öffentliche Stellen – knapp vor den Webverkäufen an Privatkunden mit 4,0 Prozent. Gemessen am Umsatz hat der Online-Großhandel den B2C-Webhandel still eingeholt.

    Der native Weg: B2B auf Shopify Plus

    Shopify hat B2B fest in die Plattform eingebaut, allerdings nur im Plus-Plan, dem teuersten regulären Tarif. Dort gibt es Firmenprofile mit mehreren Ansprechpersonen und Lieferadressen, Kataloge mit eigenen Preislisten und Staffelpreisen pro Kundengruppe, Mengenregeln, Zahlungsziele und Bestellung auf Rechnung. B2B-Kunden melden sich an und sehen den Shop mit ihren Konditionen; Endkunden merken davon nichts. Genau das Modell „Großhandel im selben Shop“ also.

    Ob sich Plus dafür rechnet, ist eine ehrliche Rechenaufgabe: Der Plan kostet ein Vielfaches der Standardtarife. Wer bereits nennenswerten B2B-Umsatz hat oder ihn konkret aufbauen will, bekommt dafür die mit Abstand sauberste Lösung. Wer erst drei Händlerkunden hat, zahlt für viel Infrastruktur, die noch niemand nutzt.

    Der pragmatische Weg: normale Pläne plus App

    Unterhalb von Plus lässt sich B2B mit Bordmitteln und Apps nachbauen. Das Grundmuster: Händlerkunden bekommen ein Kunden-Tag, eine B2B-App blendet für getaggte Kunden eigene Preise ein, versteckt den Shop hinter einem Login oder sperrt bestimmte Produkte für Gäste. Mindestmengen und Staffelpreise übernimmt ebenfalls die App, Bestellungen auf Rechnung laufen als manuelle Zahlungsmethode.

    Das funktioniert, hat aber Grenzen, die man vorher kennen sollte. Die Preisdarstellung solcher Apps arbeitet teils mit Umwegen wie Duplikat-Varianten, was Lagerführung und ERP-Anbindung verkompliziert. Der Checkout bleibt der B2C-Checkout – Zahlungsziele und Firmenlogik wirken dort angeflanscht statt eingebaut. Und jede zusätzliche App ist wieder eine Monatsgebühr und eine Abhängigkeit. Für einen überschaubaren Händlerstamm ist das trotzdem oft der vernünftigste Einstieg: klein anfangen, und auf Plus wechseln, wenn der B2B-Umsatz es trägt.

    Die Alternative: ein getrennter B2B-Shop

    Manchmal ist „im selben Shop“ gar nicht das richtige Ziel. Wenn sich Sortiment, Sprache und Auftritt für Händler stark vom Endkundengeschäft unterscheiden – etwa Paletten statt Einzelstücke, technische Datenblätter statt Lifestyle-Fotos – kann ein zweiter, reiner B2B-Shop klarer sein: komplett hinter Login, eigene Preise, eigene Inhalte, keine Rücksicht auf Endkunden.

    Der Preis dafür ist doppelte Pflege: zwei Themes, zwei Produktkataloge, zwei Stellen für jede Preisänderung. Ohne eine Anbindung, die beide Shops aus derselben Warenwirtschaft speist, wird das schnell zur Fehlerquelle. Unser Rat: getrennte Shops nur, wenn sich die beiden Geschäfte auch inhaltlich klar trennen – nicht als Notlösung für Preislogik.

    Umsatzsteuer im B2B: hier wird es österreichisch

    Für Geschäfte mit Firmenkunden im EU-Ausland gilt bei gültiger UID-Nummer das Reverse-Charge-Verfahren: Die Rechnung geht netto raus, die Steuerschuld wandert zum Käufer. Shopify prüft UID-Nummern aber nicht von selbst gegen das EU-System VIES – dafür braucht es eine App oder eine eigene Prüfung im Registrierungsprozess. Wer EU-Händlern einfach die österreichische Umsatzsteuer verrechnet, macht formal falsche Rechnungen.

    Auch im Inland gilt: Netto-Preisdarstellung für eingeloggte Firmenkunden, Brutto für alle anderen, und auf der Rechnung muss beides konsistent sein. Das ist lösbar – natives B2B kann steuerexklusive Kataloge, Apps bieten Netto-Anzeige – aber es gehört in die Planung, nicht in die Nachbesserung. Sprechen Sie den B2B-Ausbau vorher mit Ihrer Steuerberatung durch; die Fragen, die dort auftauchen, sind billiger als korrigierte Rechnungsläufe.

    Wie man die Entscheidung konkret trifft

    Drei Fragen bringen die Optionen in Ordnung. Erstens: Wie viel B2B-Umsatz ist realistisch in den nächsten zwei Jahren? Deutlich sechsstellig spricht für Plus, darunter für den App-Weg. Zweitens: Wie individuell sind die Konditionen? Ein einheitlicher Händlerrabatt geht mit fast allem; kundenindividuelle Preislisten je Artikel verlangen Kataloge oder eine eigene Lösung. Drittens: Hängt ein ERP dahinter? Dann muss der B2B-Weg dessen Preis- und Kundenlogik mittragen können – das schließt manche Apps aus.

    In der Praxis begleiten wir beide Wege: B2B-Setups mit Katalogen und Firmenkonten auf Plus ebenso wie App-basierte Händlerbereiche auf Standardplänen, jeweils mit Anbindung an Warenwirtschaft und Rechnungswesen. Wichtig ist nur, die Entscheidung bewusst zu treffen – nicht per fünftem Workaround.

    KriteriumB2B auf Shopify PlusStandardplan + AppGetrennter B2B-Shop
    Preislisten & StaffelnKataloge pro Kundengruppeper App, teils über Umwegefrei gestaltbar
    CheckoutB2B-Logik eingebautbleibt der B2C-Checkouteigener Checkout
    Kauf auf Rechnungnativ enthaltenmanuelle Zahlungsmethodefrei konfigurierbar
    Laufende KostenPlus-Plan, ein Vielfaches der StandardtarifePlanpreis plus App-Gebührenzweiter Shop plus doppelte Pflege
    Sinnvoll abnennenswertem B2B-Umsatzden ersten Händlerkundenklar getrenntem Sortiment und Auftritt