Shopify · 8 Min. Lesezeit
Migration zu Shopify: Umzug ohne Umsatz-Delle
Der häufigste Grund für einen Wechsel zu Shopify ist nicht Begeisterung, sondern Erschöpfung: ein WooCommerce, das nach jedem Plugin-Update zittert, ein Magento, dessen Agentur-Rechnungen den Shop-Gewinn auffressen, ein Altsystem, das der ursprüngliche Entwickler nicht mehr betreut. Der Umstieg selbst ist gut machbar – Shops mit tausenden Produkten ziehen regelmäßig um. Was schiefgehen kann, ist präzise bekannt: verlorene Google-Rankings, verwaiste Kundenkonten und ein Launch zum falschen Zeitpunkt. Alle drei sind vermeidbar, wenn man sie von Anfang an einplant.
Was mitkommt und was nicht
Produkte, Kategorien, Kunden und die Bestellhistorie lassen sich per Export und Import oder über die API übertragen. Bei Produkten ist die eigentliche Arbeit nicht der Transport, sondern das Umdenken: Shopify organisiert Varianten, Kategorien (Collections) und Produktoptionen anders als WooCommerce oder Magento. Ein Produkt mit vielen Attributen muss neu strukturiert werden, sonst leidet die Filterbarkeit im neuen Shop.
Eine Grenze sollten Sie vorher kennen: Kundenpasswörter kommen nicht mit. Sie sind in jedem seriösen System verschlüsselt gespeichert und können technisch nicht übertragen werden. Ihre Kunden müssen sich nach dem Umzug einmal neu ein Passwort setzen. Das ist kein Drama, wenn man es kommuniziert – und ein Ärgernis, wenn Stammkunden ohne Vorwarnung vor einem „Login fehlgeschlagen“ stehen.
Auch Geschenkgutscheine, laufende Abos und gespeicherte Zahlungsmittel brauchen einen eigenen Plan. Je nach Quellsystem lassen sie sich übertragen, neu ausstellen oder müssen auslaufen. Klären Sie das vor dem Stichtag, nicht danach.
| Daten | Kommt mit? | Was zu tun ist |
|---|---|---|
| Produkte, Kunden, Bestellhistorie | ja | per Export/Import oder API; Varianten neu strukturieren |
| Seitentitel, Meta-Texte, Alt-Texte, Blog | ja, wird aber gern vergessen | explizit mitübertragen, nicht nur die Produkttabelle |
| Kundenpasswörter | nein | Kunden vorab informieren, Passwort wird neu gesetzt |
| Gutscheine, Abos, Zahlungsmittel | teils | vor dem Stichtag klären: übertragen, neu ausstellen oder auslaufen lassen |
| Alte URLs | nein, Shopify-Struktur ist fix | 301-Weiterleitungen, Produkt zu Produkt |
Weiterleitungen: der Teil, der über Ihren Umsatz entscheidet
Google kennt Ihren Shop unter den alten Adressen. Ein Produkt, das jahrelang unter /shop/kategorie/produktname erreichbar war, heißt bei Shopify zwingend /products/produktname – die URL-Struktur ist dort fix und nicht verhandelbar. Ohne Weiterleitungen zeigt jedes alte Google-Ergebnis, jeder alte Link und jedes Lesezeichen nach dem Umzug ins Leere. Die Rankings, die der Shop über Jahre aufgebaut hat, brechen dann messbar ein. Der Markt, um den es dabei geht, ist kein kleiner: Laut der eCommerce Studie Österreich 2025 von Handelsverband und KMU Forschung Austria geben die Österreicher heuer 12,1 Milliarden Euro im Interneteinzelhandel aus, um 14 Prozent mehr als im Vorjahr. Umsatz, den Ihre alten Rankings nicht mehr holen, holen besser auffindbare Mitbewerber.
Die Lösung ist unspektakulär und fleißig: eine vollständige Liste aller alten URLs, die Besucher haben – aus dem Quellsystem, der alten Sitemap und der Google Search Console – und für jede davon eine 301-Weiterleitung auf die neue Adresse. Shopify bringt dafür eine eigene Redirect-Verwaltung mit, die auch tausende Einträge per CSV-Import schluckt. Wichtig ist Produkt-zu-Produkt statt alles auf die Startseite: Eine Weiterleitung auf die Startseite wertet Google praktisch wie einen toten Link.
SEO-Substanz übertragen, nicht nur Daten
Neben den URLs gibt es Rankingsubstanz, die beim Kopieren gern verloren geht: Seitentitel und Meta-Beschreibungen, Kategorietexte, Alt-Texte der Bilder, Blogartikel. Wer nur die Produkttabelle importiert, startet mit einem Shop, der aus Googles Sicht dünner ist als der alte – und wundert sich über den Rückgang.
Nach dem Launch gehört die neue Sitemap in die Search Console eingereicht und die 404-Berichte dort mehrere Wochen beobachtet: Jede auftauchende tote Adresse bekommt eine Weiterleitung nachgereicht. Ein vorübergehendes Auf und Ab in den ersten Wochen ist normal, weil Google die neue Struktur erst durchkrabbelt. Ein dauerhafter Einbruch ist es nicht – der deutet auf fehlende Weiterleitungen hin.
Der Wechsel selbst: parallel aufbauen, hart umschalten
Der neue Shop entsteht vollständig auf einer Testadresse, während der alte normal weiterverkauft. Erst wenn Design, Daten, Zahlungen und Versandregeln durchgetestet sind, wird die Domain umgestellt. Testen Sie dabei vor allem am Handy: Die Onlineshopping-Ausgaben via Smartphone wachsen laut derselben Studie heuer um 28 Prozent auf 4,1 Milliarden Euro, rund ein Drittel des gesamten Distanzhandels. Der eigentliche Umschaltmoment ist damit eine Sache von Stunden, nicht Wochen – kurz vorher wird der Datenbestand noch einmal frisch abgeglichen, damit keine Bestellung aus den letzten Tagen fehlt.
Zwei Praxisregeln dazu. Erstens: Legen Sie den Wechsel in Ihre schwächste Saison und nie kurz vor die umsatzstärkste – eine Migration im Oktober vor dem Weihnachtsgeschäft braucht sehr gute Gründe. Zweitens: Lassen Sie das alte System nach dem Umzug einige Monate schreibgeschützt weiterlaufen. Wenn im neuen Shop eine alte Bestellung fehlt oder eine Frage zur Historie auftaucht, ist der Blick ins Altsystem Gold wert.
Ehrlich gerechnet: was Sie bei Shopify aufgeben
Eine Migration ist auch der Moment, die Grenzen des Ziels zu kennen. Bei Shopify mieten Sie eine Plattform: Die URL-Struktur ist vorgegeben, der Checkout ist außerhalb der teuersten Pläne nur begrenzt anpassbar, und für Zahlungen außerhalb von Shopify Payments fallen je nach Plan zusätzliche Gebühren an. Sehr spezielle Funktionen aus dem alten Shop – ein individueller Konfigurator, eine besondere Preislogik – kommen nicht automatisch mit, sondern werden als App oder Theme-Anpassung neu gebaut.
Dem gegenüber steht, was wegfällt: Server-Wartung, Sicherheits-Updates, kaputte Plugin-Kombinationen, die Nacht vor dem Ausverkauf mit dem überlasteten Hosting. Für die meisten Händler, die wir sehen, ist dieser Tausch klar positiv. Aber es ist ein Tausch, kein Gratis-Upgrade – und wer ihn kennt, ist nach dem Launch nicht überrascht.
Die Checkliste vor dem Stichtag
Wenn Sie einen Umzug planen, sollte diese Liste vollständig abgehakt sein, bevor die Domain umzieht:
- Vollständige URL-Liste des alten Shops erstellt und 301-Weiterleitungen importiert
- Produkte samt Varianten, Bildern, Titeln und Meta-Beschreibungen übertragen und stichprobengeprüft
- Kunden importiert und die Passwort-Kommunikation vorbereitet
- Bestellhistorie übernommen oder Altsystem als schreibgeschütztes Archiv gesichert
- Testbestellungen mit echter Zahlung, Storno und Rückerstattung durchgespielt
- Rechtstexte, Impressum und Steuersätze für alle Lieferländer geprüft
- Launchtermin außerhalb der Hauptsaison fixiert und Search Console vorbereitet