Webdesign · 7 Min. Lesezeit
SEO-Grundlagen für KMU: was Sie selbst tun können
SEO hat einen schlechten Ruf, und der kommt nicht von ungefähr: Kaum eine Branche produziert so viele Kaltakquise-Mails mit vagen Versprechen. Dabei ist der Kern für ein kleines Unternehmen unspektakulär. Google will Suchenden die Seite zeigen, die ihre Frage am besten beantwortet. Ihre Aufgabe ist, für die Fragen Ihrer Kunden diese Seite zu sein. Ein großer Teil davon ist Fleißarbeit, die niemand besser erledigen kann als Sie selbst, weil niemand Ihr Geschäft besser kennt.
Zuerst: das Unternehmensprofil bei Google
Für ein Geschäft mit lokalen Kunden ist das Google-Unternehmensprofil oft wirksamer als jede Änderung an der Website, denn es erscheint direkt in der Suche und auf Google Maps. Das Profil ist kostenlos, und die Pflege dauert eine Stunde: korrekte Öffnungszeiten, aktuelle Fotos, alle Leistungskategorien, Telefonnummer und Link zur Website.
Der wichtigste laufende Hebel sind Bewertungen. Bitten Sie zufriedene Kunden aktiv darum, am besten mit einem direkten Link, und antworten Sie auf Bewertungen, auch auf die unangenehmen. Ein Profil mit aktuellen Fotos und beantworteten Bewertungen signalisiert: Hier ist jemand erreichbar.
Eine Seite pro Leistung, nicht eine Seite für alles
Der häufigste strukturelle Fehler auf KMU-Websites: eine einzige „Leistungen“-Seite, auf der alles in drei Absätzen zusammengefasst ist. Google rankt aber einzelne Seiten für einzelne Suchanfragen. Wer „Installateur Badsanierung Wien“ sucht, soll auf einer Seite landen, die genau davon handelt, nicht auf einer Sammelseite.
Geben Sie jeder wichtigen Leistung eine eigene Unterseite mit einer klaren Überschrift und ehrlichem, konkretem Text: Was machen Sie genau, für wen, in welchem Gebiet, wie läuft es ab, was kostet es ungefähr? Genau die Fragen, die Kunden am Telefon stellen, sind der beste Redaktionsplan.
Seitentitel und Beschreibungen: die unterschätzten zwei Zeilen
Der Seitentitel ist die blaue Zeile im Suchergebnis und eines der stärksten Signale an Google. Auf vielen Websites steht dort „Home“ oder nur der Firmenname. Besser: Leistung plus Ort plus Firma, etwa „Badsanierung in Wien | Mustermann Installationen“. Die Meta-Description darunter beeinflusst das Ranking kaum, aber sie entscheidet mit, ob jemand klickt. Zwei Zeilen, die sagen, was Sie tun und warum man Sie wählen sollte.
Wie steil die Klicks mit der Position abfallen, hat Sistrix (2020) anhand von über 80 Millionen Keywords vermessen: Platz eins holt in der mobilen Suche im Schnitt 28,5 Prozent der Klicks, Platz zwei 15,7 Prozent, Platz zehn noch 2,5 Prozent.
Diese Texte lassen sich in jedem gängigen System selbst pflegen. Nehmen Sie sich Ihre zehn wichtigsten Seiten vor, das ist ein Nachmittag Arbeit mit dauerhafter Wirkung.
Quelle: Sistrix, 2020
Die Search Console: kostenlos hinschauen, was passiert
Die Google Search Console ist gratis und zeigt Ihnen, mit welchen Suchbegriffen Ihre Website gefunden wird, welche Seiten Klicks bekommen und ob technische Probleme vorliegen. Die Einrichtung ist in einer halben Stunde erledigt; wer Ihre Website betreut, kann dabei helfen.
Einmal im Monat hineinschauen genügt. Interessant sind vor allem die Suchanfragen mit vielen Einblendungen, aber wenigen Klicks: Dort sind Sie sichtbar, überzeugen aber im Suchergebnis noch nicht. Oft ist die Seite dahinter ausbaufähig oder der Seitentitel nichtssagend.
Was Sie besser lassen
Ein paar Dinge schaden mehr, als sie nützen, oder verbrennen schlicht Geld:
- Keyword-Listen im Text: Seiten, die „Webdesign Wien günstig Webdesign Agentur Wien“ herunterbeten, liest kein Mensch, und Google straft die Absicht ab
- Gekaufte Links: kosten Geld und riskieren im schlimmsten Fall den Rauswurf aus dem Index
- Kaltakquise-Angebote „Wir bringen Sie auf Platz eins“: Niemand kann Platzierungen garantieren, auch keine seriöse Agentur
- Massenhaft generierte Textseiten ohne eigenen Inhalt: bringen kurzfristig wenig und werden von Google zunehmend aussortiert
Geduld gehört zur ehrlichen Rechnung
SEO wirkt langsam. Bis eine neue Leistungsseite rankt, vergehen üblicherweise Monate, nicht Tage, abhängig von Konkurrenz und Suchbegriff. Wer morgen Anfragen braucht, ist mit Google Ads besser bedient und baut die organische Sichtbarkeit parallel auf. Das eine ersetzt das andere nicht: Ads hören auf zu wirken, sobald das Budget stoppt, gute Inhalte arbeiten weiter.
Und wofür braucht man dann noch Profis?
Für die technische Basis: saubere Seitenstruktur, schnelle Ladezeit, korrekte Indexierung, funktionierende mobile Darstellung. Das sind Bauentscheidungen, die bei der Erstellung der Website fallen und die Sie nachträglich nur schwer selbst korrigieren. Unsere Arbeitsteilung mit Kunden sieht meist so aus: Wir liefern das technische Fundament und die Struktur, der Kunde liefert das Fachwissen für die Inhalte. Keiner von beiden kann den Teil des anderen ersetzen.