Gastronomie · 6 Min. Lesezeit
Die Online-Speisekarte: Aufbau, Reihenfolge, Preisdarstellung
Die Speisekarte ist die meistbesuchte Seite jeder Restaurant-Website, oft mit großem Abstand. Laut einer Umfrage der US-Agentur MGH unter 1.101 Erwachsenen (2019) sehen sich 77 Prozent der Gäste die Website eines Lokals an, bevor sie dort essen oder bestellen – und 68 Prozent haben schon einmal wegen der Website auf einen Besuch verzichtet. Wer online nach einem Lokal sucht, will vor der Reservierung wissen, was es kostet und ob für alle am Tisch etwas dabei ist. Trotzdem behandeln viele Websites die Karte als Anhängsel: ein eingescanntes PDF, drei Jahre alt, am Handy nur mit Zoomen und Wischen lesbar. Dabei ist eine gute Online-Karte kein Designproblem, sondern Handwerk mit ein paar klaren Regeln.
Regel eins: kein PDF
Das PDF ist bequem für den Wirt und eine Zumutung für den Gast. Am Handy muss er das Dokument erst laden, dann hineinzoomen und quer über die Seite wischen. Viele geben vorher auf. In der erwähnten MGH-Umfrage (2019) nannten 30 Prozent der Befragten eine schwer lesbare Speisekarte als Grund, einem Lokal fernzubleiben – gleichauf mit einer veraltet wirkenden Website. Dazu kommt: Google kann PDF-Inhalte zwar lesen, gewichtet sie aber schlechter als echte Seiteninhalte. Wer nach „Schnitzel 1070 Wien“ sucht, findet eher das Lokal, dessen Karte als normale Webseite existiert.
Die Karte gehört also als HTML-Seite auf die Website: Text, der sich an die Bildschirmbreite anpasst, mit Sprungmarken zu Vorspeisen, Hauptspeisen, Desserts und Getränken. Das klingt banal, ist aber der größte einzelne Hebel. Wenn Sie heute nur eine Sache an Ihrer Website ändern, dann diese.
Quelle: MGH-Umfrage unter 1.101 US-Erwachsenen, 2019
Die Reihenfolge: führen Sie den Blick
Online liest niemand eine Karte von vorne nach hinten. Gäste scannen. Deshalb gehört ganz nach oben, wofür Ihr Lokal bekannt ist: das Gulasch, die Fischplatte, die hausgemachte Pasta. Wenn Ihre Spezialität erst auf Position vierzehn unter „Hauptspeisen“ auftaucht, verschenken Sie Ihren stärksten Verkäufer.
Innerhalb der Kategorien bewährt sich die klassische Dramaturgie: Vorspeisen, Suppen, Hauptspeisen, Desserts, Getränke. Aber gliedern Sie großzügig. Zwölf Hauptspeisen in einem Block ermüden; drei Gruppen wie „Vom Grill“, „Aus der Pfanne“ und „Vegetarisch“ machen dieselbe Karte übersichtlich. Und eine eigene, klar sichtbare vegetarische oder vegane Gruppe ist keine Ideologie, sondern Service: In fast jeder größeren Runde entscheidet eine Person mit, die genau danach sucht.
Preise: hinschreiben, und zwar lesbar
Manche Lokale lassen die Preise online weg, aus Sorge, Gäste abzuschrecken. Das Gegenteil passiert: Wer keine Preise findet, vermutet hohe, und reserviert woanders. Eine Karte ohne Preise beantwortet die wichtigste Frage des Gastes nicht.
Bei der Darstellung raten wir von der Punktelinie ab, die den Blick vom Gericht quer zur Zahl führt. Besser steht der Preis dezent direkt beim Gericht. Die aus der Gastro-Beratung bekannte Empfehlung, das Euro-Zeichen wegzulassen, können Sie mitnehmen oder bleiben lassen; wichtiger ist, dass die Preise stimmen. Ein Gast, der online 16,90 gelesen hat und im Lokal 19,50 zahlt, kommt nicht wieder, und genau deshalb ist die Aktualität der Online-Karte keine Kür.
Beschreibungen: Zutaten statt Adjektive
Eine gute Beschreibung ist ein bis zwei Zeilen lang und nennt, was auf dem Teller liegt: „Zwiebelrostbraten mit Bratkartoffeln und Röstzwiebeln“ sagt alles. „Ein unvergessliches Geschmackserlebnis aus unserer Küche“ sagt nichts. Herkunftsangaben dürfen sein, wenn sie stimmen und etwas bedeuten: das Rind aus dem Waldviertel, der Käse von der Alm im Bregenzerwald. Sobald jedes zweite Gericht „hausgemacht“ heißt, glaubt es beim dritten niemand mehr.
Bei den Klassikern gilt: nicht erklären, was jeder kennt. Ein Wiener Schnitzel braucht keine Beschreibung, höchstens die Angabe, ob Kalb oder Schwein, und die gehört dann in den Namen.
Allergene: Pflicht, aber bitte unaufdringlich
In Österreich müssen die 14 Hauptallergene gekennzeichnet werden, üblich sind die Buchstabencodes von A wie Gluten bis R wie Weichtiere. Online haben Sie dafür bessere Möglichkeiten als auf Papier: Die Codes können klein und grau hinter dem Gericht stehen, mit einer Legende am Seitenende, ohne die Karte zu verschandeln.
Wichtig ist, dass die Angaben mitgepflegt werden. Wenn die Küche das Rezept ändert und aus der Sauce plötzlich eine mit Obers wird, muss das G für Milch auch online dazukommen. Das spricht für ein System, in dem die Küche oder der Service die Karte selbst ändern kann, statt eine Mail an die Agentur zu schreiben.
Fotos: wenige, aber echte
Essensfotos sind ein zweischneidiges Thema. Laut der MGH-Umfrage (2019) suchen 45 Prozent der Gäste auf Restaurant-Websites gezielt nach Fotos der Gerichte. Gute Fotos verkaufen also, aber schlechte schrecken ab, und die meisten Handyfotos bei Kunstlicht sind schlechte. Unsere ehrliche Empfehlung: lieber gar keine Bilder in der Karte als dunkle, gelbstichige. Wenn Fotos, dann wenige, professionell gemacht, von den Gerichten, die Sie tatsächlich verkaufen wollen. Stockfotos sind tabu; der Gast merkt es spätestens am Tisch, und dann ist das Vertrauen weg.
Aktualität schlägt Perfektion
Die schönste Karte nützt nichts, wenn sie veraltet ist. Saisonwechsel, neue Preise, das Gericht, das es nicht mehr gibt: All das muss in Minuten online änderbar sein, sonst passiert es nicht. Genau daran scheitern PDF-Karten und Agentur-Websites mit Ticketsystem in der Praxis am häufigsten.
Bei GuestMaker ist die digitale Speisekarte Teil des Pakets: Gerichte, Preise und Allergene ändern Sie selbst im Dashboard, die Änderung ist sofort auf der Website. Auch sonntagabends, wenn Ihnen einfällt, dass ab morgen die Herbstkarte gilt.