Webdesign · 7 Min. Lesezeit
Website-Relaunch: die Checkliste gegen Ranking-Verluste
Ein Relaunch ist der Moment, in dem eine Website am meisten Sichtbarkeit verlieren kann. Nicht weil die neue Seite schlechter wäre, sondern weil beim Umzug Dinge kaputtgehen, die vorher jahrelang funktioniert haben: URLs ändern sich, Texte fliegen raus, eine vergessene Einstellung sperrt Google aus. Wir haben Relaunches begleitet, bei denen der Kunde erst Wochen später gemerkt hat, dass die Anfragen ausbleiben. Das lässt sich verhindern, wenn man die richtigen Schritte in der richtigen Reihenfolge macht.
Warum Rankings beim Relaunch verloren gehen
Google bewertet keine Website als Ganzes, sondern einzelne URLs. Jede Unterseite hat sich über Jahre eine Position aufgebaut, gestützt auf ihren Inhalt und auf Links, die von außen auf genau diese Adresse zeigen. Ändert sich die Adresse beim Relaunch und niemand richtet eine Weiterleitung ein, steht Google vor einer Tür ins Leere. Die alte Seite verschwindet aus dem Index, die neue fängt bei null an. Wie schnell Adressen im Netz sterben, hat das Pew Research Center (2024) gemessen: 38 Prozent der Webseiten aus dem Jahr 2013 waren zehn Jahre später nicht mehr erreichbar. Relaunches ohne Weiterleitungen haben an dieser Zahl ihren Anteil.
Der zweite häufige Fehler ist inhaltlich: Beim Relaunch wird gerne aufgeräumt. Alte Texte wirken angestaubt, also werden sie gekürzt oder gestrichen. Nur waren es oft genau diese Texte, über die Besucher gekommen sind. Wer die Seite mit der ausführlichen Leistungsbeschreibung durch drei schicke Schlagworte ersetzt, hat hinterher eine schönere Seite mit weniger Besuchern.
Vor dem Relaunch: Bestandsaufnahme
Bevor irgendetwas Neues gebaut wird, brauchen Sie ein vollständiges Bild der alten Website. Das ist eine Stunde Arbeit und die beste Versicherung des ganzen Projekts.
- Alle URLs der alten Website erfassen, per Crawler (etwa Screaming Frog) oder notfalls über die Sitemap
- In der Google Search Console nachsehen, welche Seiten tatsächlich Klicks bringen, und die Liste exportieren
- Seiten mit externen Links notieren: wer verlinkt von außen auf welche Unterseite?
- Bestehende Weiterleitungen dokumentieren, damit keine Kette aus alten und neuen Redirects entsteht
Die Redirect-Map: das Herzstück
Aus der Bestandsaufnahme entsteht eine simple Tabelle: alte URL links, neue URL rechts. Jede alte Adresse, die Besucher oder Links hat, bekommt eine 301-Weiterleitung auf die inhaltlich passendste neue Seite. Nicht pauschal auf die Startseite, das wertet Google ähnlich wie einen Fehler. Wer auf /leistungen/webdesign gelandet wäre, will auch auf der neuen Webdesign-Seite ankommen, nicht auf der Homepage.
Für Seiten, die es künftig wirklich nicht mehr gibt und die keinen Ersatz haben, ist ein sauberer 404 oder 410 in Ordnung. Wichtig ist nur, dass diese Entscheidung bewusst fällt und nicht aus Vergesslichkeit. Und lassen Sie die Weiterleitungen danach stehen: Google empfiehlt in seiner Dokumentation zu URL-Umzügen, Redirects mindestens ein Jahr lang aktiv zu halten, damit alle Signale auf die neuen Adressen übergehen.
Inhalte: behalten, was funktioniert
Die Search-Console-Daten aus der Bestandsaufnahme zeigen, welche Seiten und Suchbegriffe Besucher bringen. Diese Inhalte gehören auf die neue Website, gerne überarbeitet und besser strukturiert, aber nicht ersatzlos gestrichen. Prüfen Sie auch die Details, die im Design-Prozess leicht untergehen: Überschriftenstruktur, Seitentitel und Meta-Descriptions der wichtigen Seiten sollten bewusst gesetzt werden, nicht dem Zufall überlassen.
Ein Relaunch ist trotzdem eine gute Gelegenheit zum Ausmisten. Seiten, die seit Jahren weder Besucher noch Links haben, dürfen weg. Der Unterschied zum blinden Aufräumen: Sie streichen auf Basis von Daten, nicht nach Bauchgefühl.
Am Launch-Tag: die technischen Klassiker
Die peinlichsten Relaunch-Fehler passieren in den letzten Stunden. Die Testumgebung war für Google gesperrt, damit die unfertige Seite nicht im Index landet, und genau diese Sperre geht mit live. Ein einziges vergessenes noindex kann eine Website wochenlang unsichtbar machen.
- noindex-Anweisungen und robots.txt-Sperren aus der Testumgebung entfernt?
- Stichprobe der Redirect-Map: leiten die wichtigsten 20 alten URLs korrekt mit Status 301 weiter?
- Neue XML-Sitemap erstellt und in der Search Console eingereicht?
- Canonical-Tags zeigen auf die neuen URLs, nicht auf die Testdomain?
- SSL-Zertifikat aktiv und alle Varianten (mit und ohne www) leiten auf eine einzige Adresse?
- Formulare, Telefonnummern-Links und E-Mail-Adressen einmal wirklich abgeschickt und getestet?
Nach dem Launch: vier Wochen hinschauen
Mit dem Livegang ist der Relaunch nicht abgeschlossen. In der Search Console sehen Sie unter „Indexierung“, ob Google die neuen Seiten aufnimmt und ob 404-Fehler auflaufen, also alte Adressen, die durch die Redirect-Map gerutscht sind. Diese Lücken lassen sich nachträglich schließen, aber nur, wenn jemand hinschaut.
Ein gewisses Auf und Ab der Rankings in den ersten Wochen ist normal. Google selbst rechnet in seiner Search-Central-Dokumentation damit, dass es bei einer kleinen bis mittelgroßen Website einige Wochen dauert, bis die meisten Seiten im Index umgezogen sind; bei größeren Sites länger. Ein anhaltender Absturz über mehrere Wochen ist es nicht. Dann lohnt der Blick zurück in die Checkliste: fehlende Weiterleitungen und gelöschte Inhalte sind fast immer die Ursache.
Ehrliche Einordnung: wann Sie das auslagern sollten
Bei einer Website mit zehn Seiten können Sie diese Checkliste selbst abarbeiten. Bei fünfzig oder mehr Seiten, einem Shop oder einer Website, über die spürbar Anfragen kommen, steht mehr auf dem Spiel als die Zeitersparnis. Wer den Relaunch baut, sollte die Redirect-Map als selbstverständlichen Teil des Projekts behandeln. Fragen Sie im Angebot gezielt danach: Wenn das Thema Weiterleitungen dort nicht vorkommt, ist das ein Warnsignal.